Aufführung des Bonhoeffer-Oratoriums in Flossenbürg

Verfasst am . Veröffentlicht in Berichte des Jahres 2015

bonhoeffer4„Ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit. Werdet Geschwister, ihr Menschen, zieht Christus an, der Liebe und Versöhnung Kleid." Diese letzten Worte Bonhoeffers, eine kurze Botschaft an seinen englischen Freund Bischof Bell zu Chichester, haben der katholische Kirchenchor Floß und das Instrumentalensemble von Willibald Wirth unter der Gesamtleitung von Chorleiter Hans Fröhlich am Samstag in der Pankratiuskirche im Liedoratorium „Dietrich Bonhoeffer – Ein Leben" zu einem einmaligen Erlebnis werden lassen.

Die dankbaren Zuhörer drückten dies mit einem gewaltigen und nachdenklich stimmenden, tiefen Eindruck aus. Deshalb auch die ungewöhnlich auffallende Stille und Ruhe nach dem „Amen" im letzten Liedvortrag.

Als Pfarrer Herbert Sörgel, der Initiator dieser Aufführung, allen mitwirkenden Chormitgliedern, Instrumentalisten und Sprecher Matthias Winter seinen hohen Respekt zollte und einen aufrichtigen Dank überbrachte, gab es stehende Ovationen für ein musikalisches Werk, das allen Zuhörern noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Chorleiter Hans Fröhlich hat einmal mehr eine Chorgemeinschaft vorgestellt, die nicht nur mit ihrer Gesangskunst zu begeistern wusste, sondern den großen stilistischen Bogen von der Gregorianik über einen Barock-Choral, bis hin zu Kanons, populären Balladen und Prostsongs meisterhaft beherrschte. Man spürte förmlich die Begeisterung bei den Sängerinnen und Sängern, das Mitfühlen bei den verschiedenen Texten, wenn es hieß: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, außer dem Frieden selbst. Christus, unser Friede."

Mit Willibald Wirth (Violine I), Karl Brenner (Violine II), Ulrich Pietsch (Viola), Jutta Steiner (Violoncello), Birgit Neumann (Querflöte), Jakob Fritz (Schlagzeug) und Michael Fröhlich (Klavier) war ein ausgezeichnet aufeinander abgestimmte Instrumentalensemble zu hören, die das Bonhoeffer-Oratorium, dessen Musik Matthias Nagel komponierte, zu einem Erlebnis machte. Hans Fröhlich hatte in seiner Geburtsgemeinde Flossenbürg mit dieser Aufführung ein wahres Meisterwerk vollbracht. Der rhetorisch großartige Sprecher Matthias Winter verstand es, die von Dieter Stork geschriebenen Texte eindrucksvoll vorzutragen und schaffte damit harmonische Übergänge zwischen Wort, Gesang und Musik. Gewaltig sein Vortrag über den Aufruf Bonhoeffers in seiner letzten Predigt am 8. April 1945 als er zur „Wiedergeburt einer neuen Hoffnung" aufrief.

Dieses vorgetragene Booklet verstand sich nicht als umfassende Kurzbiographie Bonhoeffers. Es versuchte vielmehr, in den Stoff des Liedoratoriums Bonhoeffers einzuführen. Und doch wurden wichtige Lebensdaten, sein Lebensweg und seine Lebensentscheidungen, sowie die Entwicklung seiner Theologie vorgestellt und erläutert.

Bonhoeffers Verse vermitteln auch heute noch Trost, Hoffnung und Ermutigung aus dem Glauben, hält Hans Fröhlich fest. Das habe ihn auch dazu bewogen, sich der Bitte von Pfarrer Herbert Sörgel um die Aufführung des Oratoriums nicht zu verschließen. Übrigens: Ökumene setzte sich einmal mehr in der Praxis um. Der katholische Kirchenchor St. Johannes Floß sang in der evangelischen Pankratiuskirche.

Die immer fesselnden Liedvorträge mit harmonischer Einbindung der Musik hatten durch die Melodiefassung des Gedichts Bonhoeffers „Von guten Mächten" einen Höhepunkt erreicht. Abwechselnd von Frauen- und Männerstimmen, dann durch den gewaltigen Gesamtchor, wurde das innere Vermächtnis als ein tiefer Dank für eine jahrelange Begleitung in der Gefährdung und Einsamkeit des Gefängnisses von Bonhoeffer ermittelt. Gewaltig die vorgetragenen Protestsongs mit den bis ins Herz gehenden Trommelschlägen des jungen Schlagzeugers Jakob Fritz. Dazu die musikalisch vollendete Klavierbegleitung von Michael Fröhlich.

Der Weihnachtsrundbrief Bonhoeffers im Jahre 1942 war der gewaltige Abschluss des Oratoriums, wo sich Chorgemeinschaft und Instrumentalgruppe unter der Gesamtleitung von Hans Fröhlich und Sprecher Matthias Winter nochmals in überaus eindrucksvoller Weise vorstellten, wenn es hieß: „Uns bleibt nur der sehr schmale und manchmal kaum noch zu findende Weg, jeden Tag zu nehmen, als wäre er der letzte, und doch in Glauben und Verantwortung so zu leben, als gäbe es noch eine große Zukunft."

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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