Die Flosser haben ihren Erzengel Michael wieder
Wenn das Sprichwort: „Was lange währt, wird endlich gut“, im wahrsten Sinne des Wortes seine Berechtigung hat, dann ist dies in der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes der Täufer der Fall.
Im August 2024 traute die Sprecherin des Pfarrgemeinderates, Elisabeth Lehner, bei ihrem Besuch der katholischen Pfarrkirche in der Kirchweihwoche nicht. Ein Blick auf die Kanzel zeigte ihr, dass der große Engel mit Trompete und Flammenschwert sich nach vorne geneigt hatte und gänzlich abzustürzen drohte. Die Flügel der Engel-Figur hatten zwischen den beiden Engeln mit Hoffnungsanker und Kelch Halt gefunden und damit Schlimmeres verhindert.
Sofort und ohne zu zögern hatte die aufmerksame Gläubige Pfarrer Max Früchtl verständigt. Was lag für den umsichtigen Pfarrer am Nächsten als die Männer der Flosser Feuerwehr zu verständigen und zu bitten, den herabgefallenen Engel von der Kanzel abzunehmen, bevor noch ein größerer Schaden geschieht. Das ist mit Unterstützung von Kirchenverwaltungsmitglied und Feuerwehrmann Karl Kraus geschehen. Die über zwei Meter lange Figur wurde sofort in der Kirchenkapelle deponiert.
Bei genauer Untersuchung über die entstandenen Schäden an der Figur hatte sich gezeigt, dass Verletzungen am Arm, an der Trompete und an den Flügeln festzustellen waren. Die Entscheidung von Pfarrer Früchtl war sehr schnell getroffen worden: „Eine Restaurierung wird sofort in Auftrag gegeben“. Das ist auch geschehen. Beauftragt wurde die Firma Tobias Müllner aus Pleystein. Eine Verständigung des Baureferats der Diözese in Regensburg und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege in München, war selbstverständlich, obgleich für die Restaurierung weder von der Diözese, noch von staatlicher Seite Zuwendungen zu erwarten waren. Noch glaubten sich die Verantwortlichen der Kirchengemeinde und auch die Gläubigen in der Gewissheit, dass der Aufbau des restaurierten Engels bis spätestens Ende des Jahres 2024 möglich sein wird. Doch hier hatte man sich getäuscht. Wiederholt mahnte Pfarrer Früchtl das Versäumnis der Restaurierung an, denn schließlich es fehlte etwas in der Pfarrkirche. Auch das vergangene Jahr verging, ohne Erzengel Michael auf der Kanzel. Immer wieder hatten Kirchenbesucher ihr unüberhörbares Bedauern über die unverständlichen Verzögerungen ausgesprochen.
Was Pfarrer Früchtl in diesen Tagen überraschte: Die Firma Müllner hatte mitgeteilt, dass die Erzengel-Figur nunmehr fertig gestellt wurde und aufgestellt werden kann. Auf die Halterung der Figur wurde besonderer Wert gelegt. Bisher war sie nur auf einer Wolke oberhalb der Kanzel fest verleimt. Fast ein kleines Wunder, denn es gab mit der Kanzel seit über 100 Jahren, das Gotteshaus der katholischen Christen wurde im August 1912 eingeweiht, keine Probleme oder Schäden. Pfarrer Früchtl spricht von einem kleinen Wunder. Jetzt aber wurde Erzengel Michael mit einem eigenen Gestänge und mit dem Mauerwerk fest verankert. Es entspricht auch den statischen Bestimmungen. Schäden dieser Art wie bisher kann es daher nicht mehr geben, so der Restaurator.
Die Aufbauarbeiten bedurften für die Sicherheit bei der neuen Befestigung der Figur eines festen Baugerüsts. Etwas zeitaufwendig, doch die Sicherheit hatte absoluten Vorrang. Nicht entgehen ließ sich Pfarrer Früchtl den Verlauf der Arbeiten vom Beginn bis zur endgültigen Fertigstellung.
Jetzt lässt sich Erzengel Michael ganz oben auf dem imposanten Baldachin des früheren Predigtstuhls mit den zwei Engeln und den Zehn Geboten wieder sehen.
Bei dem Gespräch mit Pfarrer Früchtl war zu erfahren, dass die Herkunft der Kanzel bis heute nicht bekannt ist. Als Entstehungszeit wird das Ende des 18. Jahrhunderts angenommen. Die Kanzel trägt bereits klassizistische Merkmale. Die Symbole sind auf die Verkündigung abgestellt. Zwei Engel zeigen die Tafel der Zehn Gebote mit dem Hoffnungsanker, der andere mit einem Kelch, Symbol der Liebe Christi. Ganz oben der Erzengel Michael mit Trompete und Flammenschwert: Er ruft uns die Entscheidung für Gott, der seinen Sohn das Gericht über Lebende und Tote übertragen hat. Die katholische Kirchengemeinde hat wieder ihren Erzengel Michael auf der Kanzel. Freude und Dank zugleich ist bei den Gläubigen eingekehrt.
Artikel und Bild(er): Fred Lehner