Abschluss der Sanierungsarbeiten an der St. Nikolauskirche

sanierung1Was wurde in den vergangenen knapp 300 Jahren über die St. Nikolauskirche, dem herausragenden „Kleinod“ und „Kirche den kleinen Leute“ im heute 1072-jährigen Markt nicht alles schon geschrieben und erzählt. Sie ist und bleibt ein bedeutender Eckpfeiler geschichtlichen und kulturellen Lebens im Markt.
Bischöflicher Geistlicher Rat, Pfarrer und Ehrenbürger des Marktes, Erbauer der katholischen Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, Jakob Raß, bezeichnete die Kirche auf dem Nikolausberg als „Pestkirchlein“, während Pfarrer Max Früchtl seinen tiefen Eindruck über dieses Gotteshaus als „altehrwürdiges Heiligtum“ zum Ausdruck bringt. Alles hat seine Bedeutung. Nicht nur die katholische Kirchengemeinde weiß um den kulturellen Wert der kleinen Wallfahrtskirche, auch die Bevölkerung hat die St. Nikolauskirche in ihr Herz geschlossen und weiß sie zu schätzen.


Von weither sichtbar strahlt die St. Nikolauskirche (im Volksmund auch „Nikalas“ genannt) auf dem 529 Meter hohen von mächtigen Bäumen umsäumten Berg weit in alle vier Himmelsrichtungen des Flosser Amtes.
Schnell lässt sich die reiche Geschichte der Kirche, die am 9. November 1723 benediziert wurde, erzählen. Das Gotteshaus ist eine Nebenkirche der katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes der Täufer. Früher befand sich auf der Anhöhe, dem Nikolausberg, eine Keltensiedlung. Erst im Mittelalter baute die Gemeinde dort eine Kirche. Grund dafür war der Nikolaus-Kult, der sich im 12. und 13. Jahrhundert vor allem in Süddeutschland ausgebreitet hatte. Nachdem das Gebäude 1561 abgetragen worden war – mit den Steinen wurde das Rathaus in der Plößberger Straße (Podewilshaus) erbaut – beschloss der katholische Teil des Gemeinderates 1719 den Wiederaufbau des Gotteshauses. Die Baupläne aus dem Jahre 1722 stammten vom Flosser Maurermeister Andreas Nißler (dessen Geburtshaus ist heute Teil des Gasthauses „Weißes Rößl“ in der Freiherr-von-Lichtenstern-Straße).
Die Kirche war ausschließlich den Katholiken – trotz des damals bestehenden Simultaneums in Floß – vorbehalten. Gerne sprach man der „Kirche der kleinen Leute“. Als Einraum-Kirche erwies sie sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts als zu klein. Deshalb wurde das Kirchenschiff verlängert und der Kirchturm angebaut. Noch im 20. Jahrhundert ließen der inzwischen verstorbene Pfarrer Richard Bartmann und Pfarrer Josef Most (zuletzt Pfarrer in Moosbach) die Kirche innen und außen renovieren. Das sakrale Aussehen und die kirchliche Bedeutung des Gotteshauses in der auch die Statue des Kirchenpatrons St. Nikolaus einen festen Platz hat, der Hochaltar glänzt mit dem Maria-Hilf-Bild, führte lange Zeit zur beliebten Hochzeitskirche. Advents- und Weihnachtsfeiern des Oberpfälzer Waldvereins hielten ebenso wie kleine Konzerte und musikalische Aufführungen Einzug. Leider sind Gottesdienste und Andachten wegen des schlechten Zustandes des Kirchleins in den letzten Jahren weniger geworden.
Eine sichtbare Bereicherung erfuhr der Nikolausberg, dessen Eigentümer der Markt Floß ist, durch den Kreuzweg mit seinen 14 Stationen und eingebauten Bronzetafeln. Eine Initiative des Katholischen Männervereins unter Ehrenvorsitzenden Helmut Weig. Die mächtigen Granitsäulen stammen aus Flossenbürger Granit und sind ein Meisterwerk des Flosser Steinmetzmeisters Franz Schmidt. Die Kreuzwegandacht am Palmsonntag auf dem Nikolausberg durch den Katholischen Männerverein ist zu einem festen Bestandteil kirchlichen Lebens geworden.
Der bauliche Zustand der St. Nikolauskirche verschlechterte sich von Jahr zu Jahr. Noch in der Zeit von Pfarrer Norbert Große hatten Kirchenpfleger, Kirchenvorstand und Pfarrer ernsthaft die dringend notwendige Sanierung des Gotteshauses betrieben. Das zog sich bis in die Zeit von Pfarrer Thomas Richthammer hinein und setzte sich bis zur Übernahme der Pfarrstelle durch Pfarrer Max Früchtl (er wirkte vorher in Wiesau) fort. Schier unüberbrückbar schienen die Finanzierungsverhandlungen der über 441 000 Euro errechneten Baukosten mit der Bischöflichen Finanzkammer in Regenburg zu sein. Zuschüsse der Diözese, der Landesstiftung, des Bezirks Oberpfalz und des Landesamtes für Denkmalpflege mit Eigenleistungen von 132 500 Euro sollten die Finanzierung sichern.
Eines stand für Pfarrer Früchtl und die Verantwortlichen der Kirchenverwaltung fest, dass es: trotz aller Dringlichkeit des Bauvorhabens keinen Baubeginn ohne vorheriger Genehmigung und Zustimmung aus Regensburg geben werde.
Als vor gut einem Jahr die Stiftungsaufsicht der Diözese „grünes Licht“ gab, sprach Pfarrer Max Früchtl davon, dass es noch Zeichen und Wunder gebe. Jedenfalls war diese Zustimmung Grundlage und Voraussetzung für einen im Frühjahr/Sommer 2020 geplanten Baubeginn. Noch mussten die Ergebnisse der Ausschreibung der einzelnen Gewerke abgewartet werden. Bewundernswert und überaus dankbar anerkannt, die Spendenfreudigkeit der Flosser, die Monat für Monat einen kräftigen Obolus zur Entlastung der Eigenmittel der Pfarrgemeinde als Träger der Baumaßnahme leisten.
Im Sommer war es soweit. Nach Einholung der Kostenvoranschläge konnten die Aufträge vergeben und die Bauarbeiten begonnen werden. Vorrangig ging es um Dachdecker-, Zimmerer-, Spengler-, Maurer-, Maler und Baumeisterarbeiten. In diesen Tagen war es soweit. Die Außensanierung wurde abgeschlossen und das Baugerüst abgebaut. Was noch fehlt ist die Sanierung und Trockenlegung der Fundamente. Das soll im Frühjahr/Sommer 2021 geschehen. Eine erste Kostenübersicht lässt erwarten, dass der Kostenrahmen eingehalten werden kann. Wie es weitergeht? Es steht die Innensanierung des Gotteshauses an. Darüber müssen noch Verhandlung mit dem Bischöflichen Baureferat und der Bischöflichen Finanzkammer geführt werden. Pfarrer Früchtl, Kirchenpfleger Josef Rosner und die Verantwortlichen sind sich einig: Erst muss der Bauumfang feststehen und die Finanzierung gesichert sein, dann kann es weitergehen. Die oberste Priorität heißt „ Geduld „.
Seit Tagen strahlt das Kleinod, das altehrwürdige Heiligtum, im neuen Glanz in das weite Rund des Flosser Amtes. Sichtbares Aufatmen bei Pfarrer Max Früchtl, Kirchenpfleger Josef Rosner und der Kirchenverwaltung, aber auch bei der Bevölkerung.
Mit Blick auf das 300-jährige Jubiläum der St. Nikolauskirche, das im November 2023 gefeiert werden kann, sind Pfarrer Früchtl und die Kirchenverwaltung mit den Verantwortlichen sehr zuversichtlich, dass die Gesamtsanierung bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein sollte. Schade, dass der derzeitige Bauzustand von Sakristei und Kirche vorgesehene Rorate-Gottesdienste leider nicht zulassen. Doch auch das wird sich ändern, ist sich der Geistliche sicher. Dankbar ist Pfarrer Früchtl der Familie Bernd Gebert für den seit vielen Jahren übernommenen, ehrenamtlichen Schlüsseldienst. Auch die Spendenfreudigkeit der Gläubigen hat nicht nachgelassen. Das sei bewundernswert. So sollen die kommenden Jahre zuversichtlich angegangen werden. Dann dürfte dem Kirchenjubiläum 2023 nichts mehr im Wege stehen.

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Text und Bild(er) von Fred Lehner

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