Aufführung des Bonhoeffer-Oratoriums in der Pfarrkirche Floß

Verfasst am . Veröffentlicht in Berichte des Jahres 2016

Aufführung des Bonhoeffer-OratoriumsEs hat schon viele eindrucksvolle, nachhaltige musikalische und gesangliche Ereignisse in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer gegeben, doch die Aufführung des Liedoratoriums „Dietrich Bonhoeffer – Ein Leben“ kann als Meisterwerk ganz vorne Platz nehmen.

Außergewöhnlich der Abschluss. Der Bitte von Pfarrer Thomas Richthammer, der in seiner Begrüßung die Frage aufwarf, wer oder was Dietrich Bonhoeffer war, den Abend ohne Applaus ausklingen zu lassen, kamen die überaus dankbaren Zuhörer nach. Sie verweilten beim Ertönen der großen Kirchenglocke ergriffen und tief beeindruckt viele Minuten im Gotteshaus und traten dann den Heimweg an.

Dem katholischen Kirchenchor und der von Willibald Wirth organisierten Instrumentalgruppe unter der Gesamtleitung von Hans Fröhlich ist es zu danken, dass die Zuhörer eine in eindringlicher Weise auf sehr hohem künstlerischen Niveau stehende Aufführung erleben durften.

„Ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit. Werdet Geschwister, ihr Menschen, zieht Christus an, der Liebe und Versöhnung Kleid.“ Diese letzten Worte Bonhoeffers, eine kurze Botschaft an seinen englischen Freund Bischof Bell zu Chichester, haben Chor, Orchester und Sprecher der Texte zu einem eindrucksvollen und nachdenklichem Erlebnis werden lassen.

Die dankbaren Zuhörer drückten dies mit einem gewaltig stimmenden, tiefen Eindruck aus. Deshalb auch die ungewöhnlich auffallende Stille und Ruhe nach dem „Amen“ im letzten Liedvortrag.

Chorleiter Hans Fröhlich hat einmal mehr eine Chorgemeinschaft vorgestellt, die nicht nur mit ihrer Gesangkunst zu begeistern wusste, sondern den großen stilistischen Bogen von der Gregorianik über den Barock-Choral, bis hin zu Kanons, populären Balladen und Prostsongs meisterhaft beherrschte. Man spürte förmlich die Begeisterung bei den Sängerinnen und Sängern, das Mitfühlen bei den verschiedenen Texten, wenn es hieß: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, außer dem Frieden selbst. Christus, unser Friede.“

Mit Konzertmeister Willibald Wirth (Violine I), er hatte maßgeblichen Anteil am Zustandekommen der Aufführung, Karl Brenner (Violine II), Ulrich Pietsch (Viola), Jutta Steiner (Violoncello), Birgit Neumann (Querflöte) und Michael Fröhlich (Klavier) war ein ausgezeichnet aufeinander abgestimmtes Instrumentalensemble zu hören und das Bonhoeffer Oratorium, dessen Musik Matthias Nagel komponierte, zu einem bleibenden Erlebnis machte. Hans Fröhlich hat wieder einmal ein wahres Meisterwerk vollbracht.

Der rhetorisch großartige Sprecher Matthias Winter verstand es, die von Dieter Stork geschriebenen Texte eindrucksvoll laut und ganz leise vorzutragen und schaffte damit harmonische Übergänge zwischen Wort, Gesang und Musik. Gewaltig sein Vortrag über den Aufruf Bonhoeffers in seiner letzten Predigt am 8. April 1945 als er zur „Wiedergeburt einer neuen Hoffnung“ aufrief.

Dieses vorgetragene Booklet verstand sich nicht als umfassende Kurzbiographie Bonhoeffers. Es versuchte vielmehr, in den Stoff des Liedoratoriums Bonhoeffers einzuführen. Und doch wurden wichtige Lebensdaten, sein

Lebensweg und seine Lebensentscheidungen, sowie die Entwicklung seiner Theologie vorgestellt und erläutert.

Bonhoeffers Verse vermitteln auch heute noch Trost, Hoffnung und Ermutigung aus dem Glauben, hält Chorleiter Hans Fröhlich fest. Das habe ihn auch zur Aufführung dieses Werks bewogen. Übrigens wurde wieder einmal Ökonomie in der Praxis umgesetzt.

Die immer fesselnden Liedvorträge mit harmonischer Einbindung der Musik hatten durch die Melodiefassung des Gedichts Bonhoeffers „ Von guten Mächten „ einen Höhepunkt erreicht. Abwechselnd von Frauen- und Männerstimmen, dann durch den gewaltigen Gesamtchor wurde das innere Vermächtnis als ein tiefer Dank für eine jahrelange Begleitung in der Gefährdung und Einsamkeit des Gefängnisses Bonhoeffers ermittelt. Gewaltig die vorgetragenen Prostsongs mit den bis ins Herz gehenden Trommelschlägen des jungen Schlagzeugers Jakob Fritz. Dazu eine meisterhaft musikalisch vollendete Klavierbegleitung von Michael Fröhlich, Sohn des Chorleiters.

Der Weihnachtsrundbrief Bonhoeffers im Jahre 1942 war der gewaltige und ergreifende Abschluss des Oratoriums, wo sich Chorgemeinschaft und Instrumentalgruppe unter Hans Fröhlich mit Sprecher Matthias Winter nochmals in eindrucksvoller Weise vorstellten wenn es hieß: „Uns bleibt nur der sehr schmale und manchmal kaum noch zu findende Weg, jeden Tag zu nehmen, als wäre er der letzte, und doch in Glauben und Verantwortung so zu leben, als gäbe es noch eine gute Zukunft.“

Pfarrer Richthammer hatte eingangs in seinem Grußwort herausgestellt, dass das Liedoratorium der Versuch einer Antwort auf Dietrich Bonhoeffer sei. Er dankte allen Mitwirkenden, der Evangelischen Gedenkstättenarbeit Flossenbürg und Pfarrer Herbert Sörgel, er war Besucher, für die Unterstützung.

 

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Text und Bild(er) von Fred Lehner

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