Simultankirchenradweg

Simultankirchenradweg„Wir feiern simultan: gleichzeitig und gemeinsam. Wir freuen uns, wenn unsere Gemeinden auf dem Radweg simultan – gleichzeitig und gemeinsam in Bewegung bleiben, in Bewegung zueinander und miteinander.“

Pfarrerin Lisa Weniger und Pfarrer Norbert Große aus Floß und Pfarrer Michael Kelinske aus Plößberg hatten am Sonntag die Gläubigen beider Konfessionen zur Andacht aus Anlass der Eröffnung des Simultankirchenradweges der Routen 8 und 9 in die evangelische Pfarrkirche St. Johannes Baptista eingeladen. Pfarrer Michael Kelinske aus Plößberg wirkte als beteiligter Radfahrer bei der Andacht mit.

Der Kirchenchor unter Leitung von Kantor Andreas Kunz und der Posaunenchor mit Bläserinnen und Bläser aus dem Flosser Amt unter Leiter Wolfgang Lang übernahmen die gesangliche und musikalische Gestaltung.

Den lieben Schwestern und Brüdern, den Gästen aus Nah und Fern überbrachte Pfarrerin Weniger einen herzlichen Willkommensgruß. Aus den Kirchengemeinden Altenstadt/Vohenstrauß, Flossenbürg und Floß, aus Plößberg, Püchersreuth, Schönkirch, Wildenau, Vohenstrauß und Waldau haben sich Christen auf den Weg gemacht, waren „in Bewegung zueinander – miteinander“. Dieses Beisammensein war auch ein Fragen nach dem Weg auf den uns Gott schicken will.

Die Gemeinde stimmte ein das Lied: „Du bist der Weg und die Wahrheit und das Leben“ ein, während Pfarrer Norbert Große ein Gebet sprach. Der Kirchenchor erfreute mit dem Lied „Lobe den Herren“.

Die Ansprache teilten sich die beiden Ortsgeistlichen, jeweils getrennt auf der Empore. Dabei schöpften sie aus der reichen Geschichte des über 250 Jahre andauernden Simultaneums und der heutigen evangelischen Pfarrkirche. So war die Kirche St. Johannes Baptista bis 1912 das Gotteshaus der katholischen und der evangelischen Gemeinde von Floß und der umliegenden Dörfer, die zum Flosser Land gehörten: ein Simultaneum. Selten waren die Katholischen und Evangelischen gemeinsam in der Kirche zusammen. Sie wurde sukzedan, nacheinander von den beiden Gemeinden genutzt. Obwohl Landesfürst Pfalzgraf Christian August nur den Frieden zwischen den Konfessionen wollte, haben sich die Flosser dagegen gesträubt. Es gab Feindschaften und man hat sich das Leben gegenseitig schwer gemacht.

Nacheinander haben sie Gottesdienst gefeiert – und die katholischen Gottesdienstbesucher mussten manchmal sehr lange draußen im Regen stehen und warten, bis die Evangelischen zum Beispiel alle 18 Strophen des Liedes: „Ich singe dir mit Herz und Mund“ von Paul Gerhardt gesungen hatten. Die katholischen Gläubigen haben zur Zeit von Pfarrer Wopperer die Evangelischen in den Tagen des Fronleichnamsfestes nicht zum Altar vorgelassen. 1793 ließ Pfarrer Wopperer außerdem in einer Nacht- und Nebelaktion Beichtstühle in die Kirche bringen. Obwohl die Evangelischen dagegen protestierten, blieben die Beichtstühle bis zur Auflösung des Simualtaneums in der Kirche. Darüber könne man heute nur noch schmunzeln. Viele Dinge geschahen, die nicht gerade christlich waren, bekannten die Ortsgeistlichen in ihrer Schilderung.

Heute sehe man diese Geschichten aus einer anderen Perspektive. Nachdem sich die Wege der beiden Gemeinden 1912 getrennt haben und jede Konfession ihre eigene Kirche hatte, konnten die Gemeinden Schritt für Schritt neu aufeinander zugehen. So können heute wirklich simultan, gleichzeitig und gemeinsam Andachten und Gottesdienste gefeiert werden. Deshalb bekräftigten die beiden Ortsgeistlichen, dass man vom hohen Ross der Vorurteile, der harten Abgrenzungen längst vergangener Streitigkeiten gestiegen sei, um einander neu zu begegnen. Dies geschehe auf Radwegen, im Ort selbst, in den Gemeindehäusern, in der Schule, bei den Kreuzwegen der Jugend und im Ökumenischen Bibelkreis. Pfarrer Große stellte heraus, dass zusammengeholfen werde, wenn es darum geht, die Flüchtlinge in unserem Ort zu unterstützen.

Vor den Fürbitten und dem Vaterunser sangen die Gläubigen den Kanon: „Schalom chaverim“. Dank und Einladung für das anschließende gemütliche Beisammensein auf der Pfarrwiese waren es mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Möge uns die Straße zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein“, die den eindrucksvollen Gottesdienst beendeten.

Bekräftigt hatten viele evangelische und katholische Christen das Zueinander und Miteinander beim gemütlichen Beisammensein im Garten der Kindertagesstätte.

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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