Josefi-Feier des Katholischen Männervereins

Es ist dem Katholischen Männerverein zu danken, dass der Josefitag am 19. März seine Bedeutung früherer Zeit nicht verliert. Wenn es auch keinen Festzug durch den Markt mit Marschmusik und Vereinsfahne zum Gottesdienst mehr gibt, der Namenstag des Schutzpatrons der Kirche und Arbeiter wird aber sowohl in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer, als auch anschließend gesellschaftlich großartig gefeiert.

 

Schon der Einzug der Fahnenabordnung des Männervereins in das Gotteshaus ließ einen Hauch früherer Zeit spüren. Eingestimmt hatten die Gläubigen in das Lied, begleitet von Harald Bäumler (Orgel): „Sankt Josef, Sproß aus Davids Stamm, gerecht und fromm im Leben." In seiner Einführung hielt Pfarrer Norbert Große – er feierte an diesem Tag Geburtstag –, fest, dass der Heilige Josef aufmerksam und treu den Willen Gottes erfüllte. 1870 hat ihn die Kirche zu ihrem Schutzpatron gemacht. In der Eucharistiefeier sangen die Gläubigen aus der Haydn-Messe. Es war auch ein Dankgottesdienst und ein Gedenken an die verstorbenen Mitglieder des Männervereins.

Im gut besetzten Pfarrsaal traf sich ein illustrer Kreis, unter denen sich Prälat, Pfarrer Norbert Große, Bürgermeister Günter Stich und die Ehrenmitglieder Anton Eismann, Hans Landgraf und Fred Lehner befanden. Mit ihren musikalischen Beiträge verschönerten die Wirtshausmusikanten Alfons und Gerhard den gemütlichen Abend, der mit dem Auftreten von Bruder Helmutus (Helmut Weig) als Fastenprediger seinen absoluten Höhepunkt hatte. Fleißige Helferinnen und Helfer vor und hinter der Theke legten einen perfekten Service hin und bewirteten die Gäste und Besucher mit Käse, Brezen, Knackwürste mit Sauerkraut und süffigem Bier. 2. Vorsitzender Peter Pierepioka hatte dafür bei seiner Begrüßung Dank gesagt.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Leicht machte es sich Helmut Weig ganz gewiss nicht. Mit welcher Leidenschaft er über 45 Minuten predigte, ist anzuerkennen und lobenswert. Weig holte teilweise das nach, was er im letzten Jahr schon aufgezeichnet hatte, wegen Krankheit aber nicht vortragen konnte. Als freier Bürger und in der Demokratie lebend, mache er von seiner persönlichen Meinung kein Hehl daraus. Was Bruder Helmutus dann vom Stapel ließ war anfänglich leidenschaftlich, kritisch und nachdenklich im Flosser Dialekt. Im Laufe des Vortrags als es um das kirchliche Geschehen, die große Politik in Bund und Land und nicht zuletzt um die Rathauspolitik ging, war mehr Schriftdeutsch zu hören. Helmut Weig entging nahezu nichts, was es im Jubiläumsjahr 2012 der katholischen Pfarrgemeinde an Feiern, Feste und Veranstaltungen gab. Anekdoten und Gegebenheiten trug er vollendet vor. Höhepunkt der Festgottesdienst mit dem damaligen Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller. Weil er soviel Eindruck in Floß hinterließ, wurde Müller nach Rom geholt und zum Kardinal geweiht.

Schelte kam über das Aufstellen des Piratenschiffs der Firma Wirsol/Solar auf dem Kinderspielplatz der Siedlergemeinschaft, dort wo vorher alle Spielgeräte abgebaut wurden, und über die Verhaltensweise von Geschäftsleiter Gayer auf.

Ein Bravo gab es für den neugegründeten Bürgerverein, der sich die Neugestaltung der Marktplatzanlage zum Ziel setzte und vollendete. Bruder Helmutus meinte, dass diese Bürgergemeinschaft nicht aufgelöst werden dürfe, denn sie werde sicher noch öfter gebraucht wenn in Floß etwas vorwärts gehen soll. Ein Förderverein der auf seine Art deutschlandweit einmalig sein dürfte, lobte Helmutus.

Der Fastenprediger stellte sich auch die Frage, ob der Abriss der Schulturnhalle und der Pausenhalle, dort wo man noch vorher größere Investitionen vornahm, unter Berücksichtigung der Entwicklung der Schülerzahlen überhaupt notwendig gewesen wäre. Eine Restaurierung hätte es auch getan und dazu noch weniger Geld gekostet.

Kein gutes Haar ließ Bruder Helmutus an der großen Politik, wo man viel rede und nichts tue. Daher auch die Politikverdrossenheit.

Mit der Papstwahl von Franziskus, dem Anwalt der Armen, war der Fastenprediger zufrieden. Ob es noch einer Pfarrgemeinderatswahl bedarf, wenn ohnehin alle Kandidaten in das Gremium berufen werden, fragte sich Helmutus. Schön wäre es, wenn man als Pfarrangehöriger erfahren könnte, welche Investitionen in der Pfarrei Jahr für Jahr getätigt werden und was sie kosten.

Der Flosser Kommunalbetrieb, die damit verbundene Alleinherrschaft und das Erscheinen der Staatsanwaltschaft im Rathaus konnten nicht ausbleiben. Eigentlich für alle Beteiligten eine Ohrfeige, meinte Helmutus. Ehrenamt und praktizierte Unterschiede skizzierte er mit der Aufzählung vieler Beispiele und meinte dazu: Gute Nacht Ehrenamt. Schade, dass es keine „Flosser Blaskapelle", die mit der gemeindlichen Musikschule verbunden war, mehr gibt. Helmutus hielt eine Bläsergruppe, zumal noch die Musikschule besteht, für unabdingbar. Auch ein ehrenamtlicher Kapellmeister tue es.

Eine Glanzleistung legte der Flosser Bürgerverein mit der Neugestaltung der Marktplatzanlage an den Tag. Ein Förderverein der auf seine Art deutschlandweit einmalig sein dürfte, lobte der Bruder. Zum Superwahljahr 2013 meinte er, dass sich jetzt mit der großen Koalition oder mit der absoluten Mehrheit in Bayern etwas mehr tun müsste, doch derzeit spiele die Diätenerhöhung und die steuerfreie Kostenpauschale eine Rolle.

Zum guten Schluss streifte Bruder Helmutus noch die Ergebnisse der letzten Kommunalwahl und die kommende Bürgermeister-Stichwahl am 30. März, zählte eine Reihe von Geschaffenem auf und sprach jene Probleme an, die es noch zu bewältigen gibt. Bürgermeister und Marktgemeinderat sollten sich endlich ihrer Aufgabe bewusst sein. Und dann ein Plädoyer: „Parteipolitik und das Spielen mit Mehrheiten haben in der Kommunalpolitik keinen Platz. Hier gehe es um das Gemeinwohl aller Bürger und um eine gesicherte Zukunft unserer Heimat. Nur gemeinsam und miteinander gibt es eine gemeinsame Zukunft für unser geliebtes Floß", schloss der Vollblut-Flosser mit dem Heimatlied „Mia san die Flossa" seine mit donnerndem Applaus gehaltene Fastenpredigt.

Es gab noch genügend Zeit sich über das „Derblecken" in geselliger Runde zu halten. Das Fazit: Gar so unrecht hatte Bruder Helmutus nicht. Es bekamen schon einige, auch in der Feier anwesende Gäste ihr Fett weg. Das mag bitter geschmeckt haben, doch dafür war der edle Gerstensaft in Steinkrügen ein Genuss.

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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