Vortrag von Rosa Dobner über ihre Erlebnisse im Dritten Reich

Sie trägt ihre Egerländer Heimat im Sudetenland tief im Herzen, strahlt mit ihren 92 Jahren eine erstaunliche geistige Frische und Vitalität aus und erzählt aus ihrem reichen Leben als wenn es gestern gewesen wäre.

Selten hatte es beim Katholischen Seniorenkreis einen so erschütternden, eindrucksvollen und nachdenklichen Vortrag von über 90 Minuten gegeben als am vergangenen Dienstag im Pfarrheim St. Josef. Es ist das Verdienst von Anni Witzl vom Seniorenkreis, dass Rosa Dobner, geborene Meindl aus Hagendorf bei Pleystein, nach Floß kam und ihre Lebenserinnerungen während der Kriegsjahre und kurz danach wach rief.

 

Obwohl sich die 92-Jährige ein Manuskript zu recht legte, erzählte sie größtenteils in freier Rede und einer erstaunlicher Rhetorik über das, was sie während der Kriegszeit 1939 bis 1945 und bei ihrer Aussiedlung am Karfreitag 1946 aus dem wunderschönen Egerland erleben musste.

Geradezu gefesselt waren die aufmerksamen Zuhörer. Im Pfarrsaal war es mucksmäuschenstill. So manches Auge über das eigene Erleben von Krieg, Vertreibung und Aussiedlung blieb nicht trocken.

Aufgezeigt hatte Rosa Dobner ihre Lebenslinien, die am 21. Mai 1921 in Reichenthal/Sudetenland begannen. Sie wuchs mit ihren Eltern und ihrer Zwillingsschwester auf und wollte Lehrerin werden. Doch ihr Heimweh war viel zu groß als dass sie sich für ein Studium entscheiden konnte. Durch ihren Onkel, er war Förster, kam sie ins Jagdschloss Latzen zu Fürstin Schönburg-Wadenburg. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen im Jahre l938 gab es auch später einen Besuch von Adolf Hitler im Schloss. Hitler passte die friedliche Insel des Schlosses und der Luxus von zuviel Personal nicht. Er verfügte für das weibliche Personal eine Dienstverpflichtung in einem Rüstungsbetrieb nach Holleischen bei Pilsen. Und davon war auch Rosa Dobner betroffen. Damit begann für sie eine schreckliche Leidensgeschichte.

Weil ihr Freund von der Waffenindustrie, die auch mit Gift zu tun hatte beängstigt war, flüchtete sie nach Nürnberg und besuchte später die Nachrichtenschule in Bad Kreuznach. Diese Flucht bedeutete eine Kriegsdienstverweigerung. Mit einem Fronturlauberzug ging es nach Westfrankreich an die Front. In der Kathedrale von Rennes war Rosa Dobner als Funkerin tätig. Ihr Freund ist 1943 in Russland gefallen. Für sie brach eine Welt zusammen. Schrecklich die Geschehnisse im Jahre 1944, als die Amerikaner die Landung in der Normandie ansetzten. Mit einem Verwundetentransport ging es nach Metz und nach Belgien. Es war erschütternd zu hören, was sich für fürchterliche Ereignisse abspielten bis Rosa Dobner in ihre Reichenthaler Heimat zurückkehren konnte. Mehrmals wurde ihr eine standesrechtliche Erschießung angedroht. Vom Lazarett Glatzen und zurück nach Marienbad erreichte die Schwergeprüfte zu Fuß mit gebrochenem Ellenbogen ihre Reichenthaler Heimat. Immer wieder sprach Rosa Dobner von ihrem erdrückendem Heimweh mit der Aussage: „Ich will heim, ich will in mein geliebtes Egerland." Im Krankenhaus Weiden unterzog sie sich einer Operation weil sie vom fahrenden Zug absprang und sich den Ellenbogen brach. Anschließend musste sie die Besetzung tschechischer Soldaten mit allen schweren Heimsuchungen ertragen. „Wir mussten als Deutsche eine weiße Binde tragen und das war für uns nicht ungefährlich", schilderte die Egerländerin. Begleitend bei all ihren Erlebnissen war viel Todesangst verbunden. Obwohl sie schon in Baden Württemberg sicheren Aufenthalt fand, kehrte Rosa Dobner auf die Bitte der Mutter wieder heim nach Reichenthal. Hätte sie das nicht getan, wäre die Familie verschleppt worden, wurde von den Tschechen angedroht. Unvergessen für sie der Karfreitag 1946. An diesem Tag musste sie ihre geliebte Heimat verlassen.

Alles was noch im Jahre 1946 und danach geschah, schilderte Rosa Dobner, die sich später mit einem Egerländer verehelichte, in bewegenden Worten. „Ich habe einen Kreuzweg des Lebens durchgestanden und hatte immer wieder einem Schutzengel an meiner Seite. Ohne ihm und unserem Herrgott wäre ich heute nicht mehr am Leben. Deshalb bin ich trotz aller fürchterlichen Erlebnisse so dankbar." Diese so starke christliche Haltung und das erstaunliche Erinnerungsvermögen wurden von den sichtlich nachdenklich stimmenden Zuhörern mit Bewunderung aufgenommen. Leiterin Rita Kreiner, unterstützt von einem riesigen Applaus und einem von Herzen kommenden vergelt's Gott, überreichte für diesen eindrucksvollen Nachmittag ein Erinnerungspräsent. Anni Witzl, auch aus dem Sudetenland stammend, hatte ihre Egerländer Freundin wieder wohlbehalten nach Hause in Hagendorf gebracht.

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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