Liedoratorium Dietrich Bonnhoeffer

Dietrich Bonhoeffers Liedoratorium „Ich glaube, ich glaube an die Universalität der Brüderlichkeit. Werdet Geschwister, ihr Menschen, zieht Christus an, der Liebe und Versöhnung Kleid." Diese letzten Worte Bonhoeffers, eine kure Botschaft an seinen englischen Freund Bischof Bell zu Chichester, vorgetragen am Samstag in der Pankratiuskirche durch den katholischen Kirchenchor und der Instrumentalgruppe von Willibald Wirth unter der Gesamtleitung von Chorleiter Hans Fröhlich, waren es, die von den dankbaren Zuhörern mit einem gewaltigen und nachdenklich stimmenden, tiefen Eindruck aufgenommen wurden. Deshalb auch die ungewöhnlich auffallende Stille und Ruhe nach dem „Amen" im letzten Liedvortrag.

Als Pfarrer Herbert Sörgel, der Initiator des „Bonhoeffer-Wochenendes", allen mitwirkenden Chormitgliedern, Instrumentalisten und Sprecher Matthias Winter seinen hohen Respekt und einen aufrichtigen und von Herzen kommenden Dank überbrachte, gab es dann stehende Ovationen für ein musikalisches Werk, das allen Zuhörern noch lange in bester Erinnerung bleiben wird. Chorleiter Hans Fröhlich hat einmal mehr eine Chorgemeinschaft mit achtzehn Sängerinnen (Sopran und Alt) und sechs Sängern (Tenor und Bass) vorgestellt, die nicht nur mit ihrer Gesangskunst zu begeistern wusste, sondern den großen stilistischen Bogen von der Gregorianik über einen Barock-Choral, bis hin zu Kanons, populären Balladen und Prostsongs meisterhaft beherrschte. Man spürte förmlich die Begeisterung bei den Sängerinnen und Sängern, das Mitfühlen bei den verschiedenen Texten, wenn es hieß: „Es gibt keinen Weg zum Frieden, außer dem Frieden selbst. Christus, unser Friede."

 

Mit Willibald Wirth (Violine I), Karl Brenner (Violine II), Ulrich Pietsch (Viola), Jutta Steiner (Cello), Birgit Neumann (Querflöte), Michael Fröhlich (Klavier) und Jakob Fritz (Schlagzeug) war eine ausgezeichnet aufeinander abgestimmte Instrumentalgruppe zu hören, die das Bonhoeffer-Oratorium, dessen Musik Matthias Nagel komponierte, zu einem Erlebnis machte. Hans Fröhlich hatte in seiner Geburtsgemeinde Flossenbürg mit dieser Aufführung ein Meisterwerk vollbracht, das in der evangelischen Pankratiuskirche so noch nicht erlebt wurde. Der rhetorisch großartige Sprecher Matthias Winter, geschäftsführender Intendant des Landestheaters Oberpfalz, verstand es, die von Dieter Stork geschriebenen Texte eindrucksvoll vorzutragen und harmonische Übergänge zwischen Wort, Gesang und Musik zu schaffen. Gewaltig sein Vortrag über den Aufruf Bonhoeffers in seiner letzten Predigt am 8. April l945 als er zur „Wiedergeburt einer neuen Hoffnung" aufrief.

Dieses vorgetragene Booklet verstand sich nicht als umfassende Kurzbiographie Bonhoeffers. Es versuchte vielmehr, in den Stoff des Liedoratoriums Dietrich Bonhoeffer einzuführen. Und doch wurden wichtige Lebensdaten, sein Lebensweg und seine Lebensentscheidungen, sowie die Entwicklung seiner Theologie vorgestellt und erläutert.

Bonhoeffers Verse vermitteln auch heute noch Trost, Hoffnung und Ermutigung aus dem Glauben, hält Chorleiter Hans Fröhlich fest. Das habe ihn auch dazu bewogen, sich der Bitte von Pfarrer Herbert Sörgel um die Aufführung des Oratoriums nicht zu verschließen. Übrigens: Ökumene setzte sich einmal mehr in der Praxis um. Der katholische Kirchenchor St. Johannes Floß sang in der evangelischen Pankratiuskirche in Flossenbürg.

Die immer wieder fesselnden Liedvorträge mit harmonischer Einbindung der Musik hatten durch die Melodiefassung des Gedichts Bonhoeffers „Von guten Mächten" einen Höhepunkt erreicht. Abwechselnd von Frauen- und Männerstimmen, dann durch den gewaltigen Gesamtchor, wurde das innere Vermächtnis als ein tiefer Dank für eine jahrelange Begleitung in der Gefährdung und Einsamkeit des Gefängnisses von Bonhoeffer vermittelt. Gewaltig die vorgetragenen Protestsongs mit den bis ins Herz gehenden Trommelschlägen des jungen und hoffungsvollen Schlagzeugers Jakob Fritz. Dazu die musikalisch vollendete Klavierbegleitung von Michael Fröhlich, der auch das Layout für diese Aufführung zusammen stellte.

Der Weihnachtsrundbrief Bonhoeffers im Jahre 1942 war der gewaltige Abschluss des Oratoriums, wo sich Chorgemeinschaft und Instrumentalgruppe unter der Gesamtleitung von Hans Fröhlich mit Sprecher Matthias Winter nochmals in überaus eindrucksvoller Weise vorstellten, wenn es hieß: „Uns bleibt nur der sehr schmale und manchmal kaum noch zu findende Weg, jeden Tag zu nehmen, als wäre er der letzte, und doch in Glauben und Verantwortung so zu leben, als gäbe es noch eine große Zukunft."

Dankbar war Pfarrer Sörgel dem Landrat, Simon Wittmann, den Vereinigten Sparkassen des Landkreises und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten für die finanzielle Förderung und Unterstützung. Ihren dankbaren Obolus leisteten auch die Zuhörer durch freiwillige Spendenbeiträge.

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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