Vortrag zum Thema "Wie kann ich mein Kind vor sexueller Gewalt schützen?"

Selten hat ein Vortrag im katholischen Pfarrheim St. Josef die Zuhörer so nachdenklich gestimmt, wie der am vergangenen Dienstag mit dem Thema „Wie kann ich mein Kind vor sexuellem Missbrauch schützen?". Mit Karin Maria Schmidt stellte sich erstmals eine integrative Psychotherapeutin der „Dornrose e.V." vor, die es verstand, deutlich zu machen, was sexuelle Gewalt ist, wie man als Elternteil Gefahrensituationen erkennt und welche Signale es sind, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen können.

Die Referentin sprach von einem ernsten Thema. Das Beratungsangebot der Dornrose wende sich unter anderem an Mädchen, Jungen und Frauen, die von sexualisierter Gewalt (sexuellem Missbrach) in der Kindheit betroffen sind oder waren. Frauen und Mädchen finden Beratung, die andere Formen von sexualisierter Gewalt erdulden oder in der Vergangenheit erdulden mussten.

Auf das Thema eingehend hielt die Psychotherapeutin fest, dass sich in der Fachdiskussion folgende Tatsachen festschreiben lassen: Jedes 4. bis 6. Mädchen und jeder 8. bis 12 Junge ist mindestens einmal von sexuellem Missbrauch betroffen. Die Dunkelziffer sei doppelt so hoch. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor dem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind aufgrund seiner körperlichen, psychischen, kognitiven oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann. Von sexualisierter Gewalt spricht man auch, wenn das Kind dazu gezwungen wird, sexuelle Handlungen am Täter durchzuführen. Sexualität wird als Mittel zum Zweck benutzt. Sexualisierte Gewalt gegen Kinder passiert in den meisten Fällen im sozialen Nahraum des Kindes, in der Familie und im Bekannten- und Verwandtenkreis, in der Nachbarschaft. Der Geheimhaltungsdruck ist sehr groß. Der Angstzeitraum kann oft bis zum Lebensende dauern. Die Referentin befasste sich auch mit der Frage, weshalb so wenige Fälle bekannt werden. Bei den Kindern in den ersten vier Jahren sei es besonders schwierig, doch die Kinder vergessen nichts.

Signale, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen können sind unter anderem plötzliche Verhaltensänderungen, körperliche Verletzungen im Vaginal-und Oralbereich, Schlafstörungen, Ängste, Schulleistungsstörungen und Depressionen. Wichtig sei, auf die Gefühle der Kinder zu achten, auf diese einzugehen. Sexualisierte Gewaltsituation bringt große Gefahr einer Traumatisierung, Angst, Verzweiflung und Schmerz. Sie können bis ins hohe Alter dauern.

Drängt sich der Verdacht auf sexuellen Missbrauch auf, ist oberste Prämisse, Ruhe zu bewahren und nicht überstürzt zu handeln, auch wenn man selbst mit verschiedenen Gefühlen und Bildern überflutet wird. Es empfiehlt sich immer, gleich von Anfang an Rat und Unterstützung bei einer spezialisierten Beratungsstelle einzuholen. Der Schutz des Kindes hat oberste Priorität.

Wichtig sei, dem Mädchen/Jungen Glauben zu schenken. Doch darf dem Kind keine Verschwiegenheit zugesichert werden. Das Kind nicht dazu drängen, Details erzählen zu müssen. Die Sprache und Redewendungen des Kindes verwenden und wertschätzen, dass sich das Kind anvertraut hat.

Präventionsarbeit liege auch darin, das Kind auf die Gefahren des Lebens hinzuweisen und deutlich zu machen „Mein Körper gehört mir!". Das Kind darf auch „Nein" sagen. Es gebe gute und schlechte Geheimnisse. Zu den schlechten Geheimnissen gehöre, wenn über sexuelle Gewalt nicht gesprochen wird.

Die Referentin hatte schließlich noch darauf hingewiesen, dass die Beratung kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym ist. Die Anwesenheit von Pfarrer Georg Gierl, einer der Initiatoren der Veranstaltung, Pfarrer Herbert Sörgel, der Bürgermeister Günter Stich, Floß und Johann Kick, Flossenbürg, erfreute Caroline Bauer bei ihrer Eröffnung und dem abschließenden Dankeschön mit Blumenstrauß an Karin Maria Schmidt ebenso, wie die der Leiterinnen der Kindergärten und Kindertagesstätten, Agnes Schwarzmeier, Heidi Hippmann (Floß) und Christine Schwepesch aus Flossenbürg. Der Mut, sich der Diskussion zu stellen, die freimütig und couragiert geführt wurde, zeichnete den Vertragsabend besonders aus. Was bedauert wurde sei, dass sich der Verein Dornrose von Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Bußgeldern zur Deckung der laufenden Unkosten finanzieren muss. Vielmehr müsste es Aufgabe des Staates sein, solche Einrichtungen zu fördern. Diese Art von Information sollte keine Eintagsfliege sein, waren sich die dankbaren Zuhörer einig.

Text und Bild(er) von Fred Lehner

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