Vortrag von Dr. Volker Wappmann beim Seniorenkreis

"Nach außen tritt der Flosser gerne auf, er will etwas gelten; aber im häuslichen Leben ist er noch einfach und genügsam. Dem zunehmenden Wohlstand der letzten Jahrzehnte entsprechend ist die Lebenshaltung nicht mehr so karg und gering." So charakterisierte der frühere evangelische Pfarrer von Floß (1912/1934) Theodor Pfeiffer, Ehrenbürger des Marktes von 1934 bis zu seinem Tode am 20. August 1948, den "Flosser Bürger".

Eine selten gehörte Erzählung, die Dr. Volker Wappmann bei seinem Vortrag im Katholischen Seniorenkreis am Dienstag im gut besetzten Pfarrheim parat hatte. Dass sie Erstaunen, sichtliche Freude und Zustimmung von den überaus aufmerksamen Zuhörern hervorrief, bekannten die Flosser zum Abschluss des Vortrages mit dem gesungenen Heimatlied "Mia san die Flossa".

Doch bei Pfarrer Theodor Pfeiffer geht die Beschreibung über den Flosser noch ein wenig weiter: "Der Flosser Bürger und Bauer weiß, was er kann; es mangelt ihm nicht an Selbstbewusstsein. Er will für gebildet gelten, sieht auf Höflichkeit und anständiges Benehmen im Verkehr mit dem anderen. Die Flosser sind stolz auf ihre Tüchtigkeit und Intelligenz. Der Bauer blickt mit Stolz auf seinen schön gebauten Hof. Die im bajuwarischen Volkscharakter liegende Grobheit und das ungerechte Wesen tritt ganz selten heran. Lauten Streitereien oder Raufhändeln ist die Bevölkerung abhold. Friedliebend und ruhig geht man seiner Wege umher."

Eine Beurteilung über den Bürger im Flosser Amt, die heute noch ihre Gültigkeit hat. Allerdings weiß man auch, dass die Flosser Musikanten bei ihren öffentlichen Auftritten an Kirchweihen, Festen und Feiern, den Flosser auch von einer anderen Seite kennen lernten. Jedenfalls sprechen so manche handgreiflichen Einsätze in und um Floß für sich. Das aber ist längst schon Vergangenheit.

Bevor sich Dr. Wappman mit der früheren Zeit, vor allem der Kirchengeschichte unter dem Thema "Floß, wie es früher war" zuwandte, drückte Leiterin Rita Kreiner ihre besondere Freude über die Bereitschaft seines Vortrages des in Vohenstrauß lebenden Historikers aus, der schon vor zwei Jahren die Senioren mit seiner Erzählung "Heimatgeschichte in 19 Strophen" zu begeistern wusste. Gerne waren Bürgermeister Günter Stich und Amtsvorgänger Fred Lehner mit dabei. Erstmals gesellte sich auch das Ehepaar Herbert und Elisabeth Riedl zu den Senioren.

Dass die reiche und bewegte Kirchengeschichte mit der Ortsgeschichte unzertrennbar verbunden sei, wurde aus den lebendigen Erzählungen von Dr. Wappmann ganz deutlich. Ob Floß im Jahre 948 von Deutschen oder von Slawen gegründet wurde? Eher spreche die Geschichte dafür, dass der deutsche Ortsname "Floß" - fließendes Wasser, Floßbach - von Deutschen stamme. Dafür sprechen auch die Ortsnamen mit der Endsilbe "reuth" deren es genügend Dörfer und Orte im Flosser Amt gibt. Dass es slawische Vorfahren mit orthodoxer Herkunft gab, sollte auch unbestritten sein. Die römisch-katholische Mission war schließlich bestrebt, die Oberpfalz katholisch zu machen. Die Taufkirchen seien hier ein beredtes Beispiel. Auch die heutige evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Johannes-Baptista, sie trägt sichtbar die Jahreszahl 1503, sei als Taufkirche gebaut worden. Übrigens hatte diese Kirche mit dem heiligen "Bartholomäus" einen zweiten Patron. Er war der Patron für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Heute steht die Statue in der Kirche in Wilchenreuth, die nach dem Heiligen Ulrich geweiht wurde.

Der profunde Geschichtserzähler zeigte eine Folie des Flosser Amtes aus der "Vogelschen Karte" um das Jahr 1600. Hier ist die frühere Simultankirche mit ihren vier Türmen und der Wehrmauer deutlich sichtbar. Pfalzgraf Christian August, übrigens ein Freund der Juden, hatte 1654 das Simultaneum verfügt und auch in Floß eingeführt. Diese bewusst gewollte "Gleichberechtigung der Christen" hielt auch in Floß bis zum Bau der katholischen Pfarrkirche im Jahre 1912 an. Die Kirche hat als Patron Johannes den Täufer.

Was den Vortrag von Dr. Wappmann so interessant und kurzweilig machte, waren die vielen heiter und oft hintergründig vorgetragenen Anekdoten über die Zeit des "Flosser Simultaneums". Da war es nicht nur der verspätete Gottesdienstbeginn für die evangelischen Gläubigen, die warten mussten, bis die Messe der Katholiken beendet war, oder die Fronleichnamsprozession mit Pferdewägen und Figuren zum Ärger der Lutheraner, so mancher Mistwagen musste an Fronleichnam herhalten, der durch ein angebliches Missgeschick auf der Prozessionsstraße umkippte.

Die Auflösung des Flosser Simultaneums 1912 geschah nicht ohne Probleme. Die Auseinandersetzungen bezogen sich meist auf die Mitnahme sakraler, beweglicher Gegenstände durch die Katholiken für ihres neues Gotteshaus. Die Figur des "Heiligen Geistes", um die es ebenfalls einen Streit gab, blieb schließlich nach einem Gerichtsurteil in der evangelischen Kirche.

Seinen Abschluss der geschichtlichen Erzählung fand Dr. Wappmann mit Blick auf das Zweite Vatikanische Konzil, das durch Papst Johannes XXIII. eröffnet und im Jahre 1965 wirksam wurde. Er stoppte die Auflösung des Simultaneums und war für ein massives Miteinander unter den Christen bemüht. Heute komme bereits Zufriedenheit auf. Der Historiker warf schließlich die Frage auf, wie es ökumenisch weiter gehen werde. Man müsse bedenken, dass wir heute einer ganz anderen Kultur begegnen als dies noch vor einigen Jahrzehnten der Fall war. Deshalb meinte Dr. Wappmann, dass eher über die "Überwindung des Trennenden" gesprochen werden müsse. Auch hier komme man einen Schritt weiter. Trotz dieser nachdenklichen und doch so ernsten Aussage, ließen es sich die dankbaren Zuhörer nicht nehmen, zum Schluss des hochinteressanten Vortrages in das Flosser Heimatlied mit einstimmen.

Text und Bilder von Fred Lehner

  • seniorenkreis_wappmann01
  • seniorenkreis_wappmann02
  • seniorenkreis_wappmann03

Simple Image Gallery Extended

Drucken E-Mail

Pfarrei St. Johannes Floß  -  Pfarrer-Jakob-Raß-Zentrum 2  -  92685 Floß  -  Email: info@pfarrei-floss.de