Vortrag von Heiner Maier zur Situation der Volksschule im Markt Floß

Mit dem Thema "Hat die Volksschule Floß noch eine Zukunft" habe der Katholische Männerverein eine sehr sensible und top aktuelle Problematik aufgegriffen, bestätigte Referent, Rektor Heinrich Maier von der Flosser Volksschule beim Vortragsabend am Sonntag im katholischen Pfarrheim St. Josef.

Ohne Umschweife gab Maier nach einführenden Worten von Vorsitzenden Helmut Weig zu erkennen, dass das Thema "Schule auf dem Lande" mit Sicherheit die Zukunft beschäftigen wird.

Maier hielt es für richtig, seine aufmerksamen Zuhörer, unter denen sich Bürgermeister Günter Stich, die Markträte Rita Rosner, Anton Eismann und Karl Kraus, Pfarrer Norbert Große, Bürgermeister a. D. Fred Lehner und Konrektor Hans Fröhlich befanden, auf die Antwort nicht lange warten zu lassen. Es gab ein klares "Ja, die Flosser Volksschule muss eine Zukunft haben! Sie wird mit Sicherheit fortbestehen, allerdings in einer veränderten Erscheinungsform".

Dass die demographische Entwicklung eine große Herausforderung sei und Probleme mit sich bringe, liege klar auf der Hand. Keine Familie - keine Kinder - keine Schulkinder - keine Schulen. Die Hauptschule kämpfe geradezu um ihr Image und will durch eine stärkere Berufsorientierung die Entlassschüler für die Anforderungen des Arbeitsmarktes fit machen. Das negative Erscheinungsbild der Hauptschule sei allerdings für diese Bestrebungen schädlich. Der Schulleiter befasste sich mit der Entwicklung der Volksschulen im Landkreis und in der Oberpfalz. Bemerkenswert: Die Hauptschule im Landkreis habe in den vergangenen acht Jahren um ein Drittel abgenommen.

Welche Perspektiven ergeben sich für die Flosser Bildungsstätte? Derzeit werden 262 Schüler in zwölf Klassen, was einen Schnitt von 21,08 Schülern entspricht, unterrichtet. Der Trend gehe eindeutig abwärts. Allerdings stelle Schulamtsdirektor Engelbert Vollath für den Erhalt der Flosser Schule bis zum Schuljahr 2013/2014 keine schlechte Prognose auf. Bei 31 Kindern im Jahre 2009 und 33 Kinder im Jahre 2010 werde es auf Dauer nur eine Eingangsklasse geben. Der Rektor sprach von einer eventuellen Klassenteilung, die Vorteile für Kinder und Lehrer brächte, dazu noch zeitgemäß wäre. Die Übertritte in höhere Schulen liegen bei cirka 45 Prozent. In der Fortschreibung seien die Kinder aus Flossenbürg mit eingerechnet.

Und dann offenbarte der Schulleiter einen realistischen Blick in die Zukunft nach dem Schuljahr 2015/2016. Dann wird es nur noch zwischen 180 bis 200 Schulkinder, die in neun oder zehn Klassen untergebracht werden können, geben.

Und bei dieser Feststellung wurde Rektor Maier deutlich: Schule oder Kommune sollten endlich selber Zeichen über Klassen und Klassenstärke setzen können, doch das ist noch ein weiter Weg.

"Wir dürfen diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen, sondern selber Alternativen entwickeln", forderte der Schulleiter. Es gehe darum, nicht nur den Wirtschafts-, sondern auch den Kulturraum im ländlichen Raum zu sichern. Deshalb stelle sich die Frage, wie organisieren wir die Bildung auf dem Land. Dazu hatte Heinrich Maier einige Beispiele aus der Praxis parat. So werden mit der Bildungsqualität im Vorschulalter unbestritten entscheidende Weichen für eine erfolgreiche Schulbarriere eines Kindes gestellt. Vorschulkurse auf verschiedenen Ebenen seien wertvoll, denn Bildungs- und Betreuungsplätze vor Ort seien längst zu einem wichtigen Standortvorteil geworden. Darf man dem Kultusministerium Glauben schenken, dann soll die Grundschule vor Ort erhalten bleiben. In der Hauptschule müssen die Schüler besser berufsorientiert ausgebildet werden. Die Stärke der Flosser Hauptschule beweise, dass die Entlassschüler Jahr für Jahr gut untergebracht werden konnten. Die Volksschüler profitieren durch bedarfsgerechte und flächendeckende Ganztagsangebote in Form der durch Mittagsbetreuung und Hausaufgabenhilfe. Hier zeichne sich der Flosser AWO-Ortsverband besonders aus. Rektor Maier kündigte an, dass er bei ausreichendem Interesse der Eltern und mit Zustimmung des Marktes für das Schuljahr 2009/2010 Antrag auf Einrichtung einer offenen Ganztagsschule im Hauptschulbereich stellen werde. Wünschenswert wäre, würde den Kommunen mehr Finanzmittel für dringende Sanierungen oder Umbauten, damit zeitgemäße Lernbedingungen geschaffen werden können, in die Hand gegeben werden. "Wir müssen Schritt für Schritt miteinander vorangehen und unüberwindlich scheinende Barrieren abbauen."

Und dann bekräftige Schulleiter Maier nochmals: "Die Volksschule Floß hat eine Zukunft und wird als Grundschule und einzügige Hauptschule erhalten bleiben." Im gleichen Atemzug verhehlte aber Maier nicht, dass in weiterer Zukunft ein "Verbund mit anderen Schulen, zum Beispiel auch mit Flossenbürg", den Standort sichern würde, sollte die Hauptschule weg brechen. Die Flosser Schule muss eine Zukunft haben, bekräftigte der Schulleiter und zitierte den Spruch: "Zukunft braucht Herkunft", damit unsere Kinder vor Ort Gelegenheit haben, Tradition zu erfahren und zu leben, von der Wertebildung profitieren und so ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft sein können.

Die anschließende, überaus lebhafte Diskussion, an der sich Konrektor Hans Fröhlich (jedes Kind hat ein Recht auf Bildung, uns Lehrer fehlt es an der Zeit), Pfarrer Norbert Große, die Markträte Rita Rosner, Anton Eismann, Karl Kraus, sowie Hans Landgraf, Reinhold Pschierer und Fred Lehner beteiligten, machten deutlich, dass der Bildungsstandort Floß nicht aufgegeben werden dürfe. Rektor Heinrich Maier machte kein Hehl aus seiner Meinung und hielt fest, dass an der Flosser Schule ein Sozialpädagoge fehle. Die Aktion "Verein macht Schule" wurde von Konrektor Fröhlich angesprochen. Dass die R 6 der Hauptschule geschadet habe, daran ließen Schulleiter und Diskussionsteilnehmer keinen Zweifel.

Ein wertvoller Vortrags- und Diskussionsabend, der noch mehr Zuspruch verdient hätte.

Text und Bilder von Fred Lehner

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